Ein aktueller Bericht sorgt bei Volkswagen für erhebliche Unruhe: Führungskräfte einer VWTochtergesellschaft sollen in internen Runden über Fehlzeiten und Krankheitsverläufe von rund 600 Mitarbeitenden gesprochen haben. Im Mittelpunkt steht dabei nicht die Höhe der Krankenquote, sondern der Umgang mit hochsensiblen personenbezogenen Daten.
Was ist passiert?
Nach Medienberichten fanden bei der Volkswagen Group Services (VWGS) über einen längeren Zeitraum regelmäßig OnlineMeetings statt, in denen Führungskräfte, Projektleitungen und Personalverantwortliche Fehlzeiten einzelner Beschäftigter auswerteten. Dabei sollen nicht nur Namen und Fehltage genannt worden sein, sondern auch individuelle Krankheitsgeschichten. Diese Vorgehensweise läuft unter einer internen sogenannten „Initiative Fehlzeitenquote“. [t-online.de]
Datenschutzrechtlich hochproblematisch
Gesundheitsdaten zählen nach der DSGVO zu den besonders schützenswerten Informationen. Ihre Verarbeitung ist nur unter sehr engen Voraussetzungen zulässig. Dass solche Daten in größeren, abteilungsübergreifenden Runden diskutiert wurden, wird von Datenschützern als schwerwiegender Verstoß bewertet. Der niedersächsische Landesdatenschutzbeauftragte hat den Vorgang bestätigt und prüft den Fall inzwischen offiziell. [t-online.de]
Reaktion des Unternehmens
VW Group Services hat den Vorfall eingeräumt und erklärt, man habe den Datenschutzverstoß selbst erkannt und umgehend reagiert. Betroffene Mitarbeitende wurden schriftlich informiert. Zugleich betont das Unternehmen, dass die Geschäftsführung von der konkreten Ausgestaltung der Initiative keine Kenntnis gehabt habe. Die Konzernrevision soll nun klären, wer die Treffen in dieser Form veranlasst hat. [t-online.de]
Einordnung: Kontrolle vs. Persönlichkeitsrechte
Der Fall berührt einen zentralen Konflikt moderner Arbeitsorganisation: Unternehmen dürfen Fehlzeiten erfassen und auswerten – etwa für Personalplanung oder Arbeitsschutz. Die Grenze ist jedoch dort erreicht, wo individuelle Gesundheitsinformationen ohne zwingenden Anlass und ohne ausreichende Zugriffsbeschränkung verbreitet werden. Besonders brisant ist der Verdacht, die Daten hätten auch dazu dienen sollen, „problematische“ Beschäftigte zu identifizieren. [t-online.de]
Größerer Kontext
Der Vorgang fällt in eine Phase hohen wirtschaftlichen Drucks bei Volkswagen. Kostensenkungen und Personalabbau sind erklärte Ziele des Konzerns. Gerade in solchen Situationen zeigt sich, wie wichtig klare Datenschutzstandards, Mitbestimmung und eine verantwortungsvolle Führungskultur sind, um Vertrauen in der Belegschaft nicht dauerhaft zu beschädigen. [t-online.de]


