„Wir helfen Betriebsräten, Personalräten und allen Gremien der betrieblichen Mitbestimmung dabei, ihre Ziele zu kennen – und zu erreichen.“

KI-Hype vs. Realität – Warum KI in Unternehmen bisher enttäuscht und was das für Mitbestimmung bedeutet

In vielen Unternehmen bleibt die große Produktivitäts- und Effizienz-Revolution durch künstliche Intelligenz bislang aus. Laut einer globalen PwC-Umfrage berichten nur 11 % der befragten CEOs in Deutschland von gestiegenen Umsätzen durch KI-Projekte – weltweit sind es ebenfalls noch weniger als ein Drittel. Nur ein sehr kleiner Teil schafft es bisher, sowohl Umsatz zu steigern als auch Kosten zu senken. Insgesamt sehen mehr als die Hälfte der Unternehmer weltweit keine signifikanten Geschäftsergebnisse aus KI-Initiativen. Die Ursachen dafür liegen weniger an der Technologie selbst, sondern vielmehr an unzureichender Datenbasis, fehlenden strategischen Plänen und mangelnder Umsetzungskompetenz in den Unternehmen. Das einige Unternehmen allerdings bereits Mehrwerte durch KI generieren zeigt, dass es möglich ist und zukünftig wahrscheinlich auch weitere Unternehmen KI zur Produktivitätssteigerung nutzen werden.

Mitbestimmung: Betriebsrat als zentrale Instanz bei KI-Einführung

Gerade im Kontext von KI-Projekten spielt die Mitbestimmung durch den Betriebsrat eine wichtige Rolle – sowohl rechtlich als auch praktisch:

In Deutschland hat der Betriebsrat laut Betriebsverfassungsgesetz (BetrVG) vielfältige Mitgestaltungs- und Mitbestimmungsrechte, die auch bei KI-Einsatz relevant sind:

  • Informations- und Beratungsrechte: Arbeitgeber müssen den Betriebsrat frühzeitig über geplante KI-Systeme informieren und Unterlagen zur Verfügung stellen.
  • Zustimmungsrechte bei Auswahlrichtlinien, die KI zur Personalentscheidung nutzen (z. B. Bewerberauswahl): § 95 BetrVG sieht hier explizit ein Mitbestimmungsrecht vor.
  • Mitbestimmung bei Überwachungstechnologien: Stellt ein technisches System (auch KI-basiert) Überwachungs- oder Leistungskontrollfunktionen dar, muss der Betriebsrat zustimmen (§ 87 Abs. 1 Nr. 6 BetrVG).

KI verändert nicht nur Arbeitsprozesse – sie kann Arbeitsinhalte, Bewertungskriterien und Entscheidungswege beeinflussen. Betriebsräte sind dabei wichtige Interessenvertreter, um:

Transparenz zu schaffen: Beschäftigte sollen verstehen, wie KI-Entscheidungen getroffen werden.
Risiken zu minimieren: Zum Beispiel Datenschutz, algorithmische Verzerrung oder Leistungskontrolle.
Gerechte Arbeitsbedingungen zu sichern: Mitbestimmung verhindert einseitige Automatisierungsentscheidungen, die Beschäftigte benachteiligen könnten. 

Fazit

Auch wenn viele CEOs hohe Erwartungen in KI setzen, bringt die Realität bislang ernüchternde Ergebnisse. Gleichzeitig eröffnet die Debatte um KI neue Felder der Mitbestimmung, in denen Betriebsräte aktiv gestaltet und Regeln für faire, transparente KI-Nutzung in Unternehmen mitbestimmen können. Gerade in Deutschland, wo Mitbestimmung traditionell stark verankert ist, wird dieser Austausch zwischen Management und Arbeitnehmervertretung künftig entscheidend dafür sein, wie KI tatsächlich genutzt wird – nicht nur technologisch, sondern auch sozial verantwortlich. Seit der letzten Nivellierung des BetrVG darf der Betriebsrat bei KI-Themen Sachverständige hinzuziehen, um besser bewerten zu können, wie Systeme wirken und welche Risiken bestehen.

Warum Mitbestimmung bei der Digitalisierung entscheidend ist – Lehren aus dem Stellenabbau bei RTL News

Der jüngst angekündigte Stellenabbau bei RTL Deutschland zeigt erneut, wie stark die Medienbranche unter dem Druck digitaler Transformation steht. Insgesamt sollen 600 Arbeitsplätze wegfallen, davon allein 230 im Bereich RTL News. Auch etablierte Formate werden...

Microsoft Teams: Wachsende Kontrolle durch Standorterkennung 

Das beliebte Kommunikationstool Microsoft Teams erhält ein neues Feature, das für Diskussionen sorgen dürfte: Ab Dezember 2025 soll die Software automatisch erkennen können, ob sich Mitarbeitende im Büro befinden – und diesen Standort im Status anzeigen. Die Funktion...

Verwertungsverbote in IT-Betriebsvereinbarungen: Bedeutung und Grenzen

Verwertungsverbote in IT-Betriebsvereinbarungen: Bedeutung und Grenzen Auch wenn Betriebsräte keine wirksamen Verwertungsverbote mit dem Arbeitgeber vereinbaren können, heißt das nicht, dass solche Regelungen bedeutungslos wären. Gerichte sind an das Grundgesetz...

Studie warnt: KI-Chatbots erfinden jede dritte Antwort

Eine aktuelle Studie der Europäischen Rundfunkunion (EBU) zeigt gravierende Mängel bei beliebten KI-Chatbots wie ChatGPT, Claude und Gemini. Demnach sind bis zu 40 % der Antworten dieser Systeme fehlerhaft oder frei erfunden – inklusive falscher Quellenangaben. Die...

BigBrother Awards 2025 – Die „Oscars“ für Datenkraken

Die BigBrother Awards zeichnen jährlich Unternehmen, Behörden und Institutionen aus, die besonders negativ durch Datenschutzverletzungen und Überwachung auffallen. Die Oscars für die Datenkraken wurden dieses Jahr zum 25. Mal durch Digitalcourage, Chaos Computer Club,...

Betriebsrat verliert Mandat wegen Weiterleitung sensibler E-Mails – Was Betriebsräte wissen müssen

Ein aktuelles Urteil des Hessischen Landesarbeitsgerichts (LAG) sorgt für Aufsehen: Wer sensible Mitarbeiterdaten an eine private E-Mail-Adresse weiterleitet, begeht eine grobe Pflichtverletzung – mit drastischen Konsequenzen. Im konkreten Fall führte dies zum...

Digitalisierung in Deutschland: Fortschritte mit Bremsspuren – Ergebnisse der DIHK-Umfrage 2025

Die Digitalisierung deutscher Unternehmen kommt voran – aber langsamer als erhofft. Das zeigt die aktuelle Digitalisierungsumfrage der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) 2025. Der durchschnittliche Digitalisierungsgrad wird mit der Schulnote 2,8 bewertet –...

Missbrauch von WLAN-Daten im Rahmen von Studierendenprotesten an der Universität Melbourne

Die Universität Melbourne hat im Juli 2024 nach studentischen Protesten WLAN-Standortdaten genutzt, um Teilnehmenden zu identifizieren. Dabei wurden auch CCTV-Aufnahmen verwendet. Ein Datenschutzbeauftragter des Bundesstaates Victoria stellte fest, dass die Nutzung...

DGB fordert stärkeren Schutz von Beschäftigten vor KI am Arbeitsplatz

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) appelliert an die Bundesregierung, den Schutz von Arbeitnehmenden beim Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) zu verbessern. DGB-Vorstandsmitglied Stefan Körzell fordert eine nationale KI-Verordnung, die den EU-Rechtsrahmen...
Ralf Schmilewski

Ralf Schmilewski

Kooperationspartner
& Senior Berater

Über uns

„Wir sind die Unternehmensberatung für Betriebsräte, Personalräte und alle Gremien der betrieblichen Mitbestimmung. Wir helfen Euch, Eure Ziele und Prioritäten in der Projektarbeit zu kennen und zu erreichen.“